Darf der Vermieter die vermietete Wohnung in einem Notfall betreten?

geschrieben am 21.12.2012 von RE/MAX Ulm

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich beim folgenden Artikel um keine Rechtsberatung handelt. 

Immer wieder einmal gibt es den Fall, dass Sie als Vermieter die Wohnung Ihres Mieters betreten wollen und Sie sich nicht einig darüber sind, ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht. Während der Vermieter auf sein Recht als Eigentümer pocht, besteht der Mieter auf sein Besitzrecht in seiner Wohnung. Die Rechtsprechung ist eindeutig und sieht einen konsequenten Schutz für den Mieter vor. Der Begriff Notfall ist eng gefasst und lässt kaum Interpretationsspielräume zu. Wenn Ihr Mieter dem Zutritt in die Wohnung nicht zustimmt, dürfen Sie sie nicht betreten. Es gibt allerdings sachliche Gründe, die eine Besichtigung rechtfertigen. Dazu gehören die Erforschung einer Schadensursache, das Ablesen von Messvorrichtungen, das Ausführen von Reparaturen oder Instandhaltungsarbeiten und die Besichtigung mit Kauf- oder Nachmietinteressenten. Sie können das Besichtigungsrecht vom Gericht prüfen lassen und mit einer gerichtlichen Anordnung erzwingen, aber auch dann gilt: nur mit Voranmeldung.

Wann ein Notfall vorliegt und zu welchen Maßnahmen er berechtigt


Die oft zitierte Gefahr ist nur bei Beinahe-Katastrophen im Verzug und erlaubt Ihnen, die Wohnung sofort und ohne Zustimmung zu betreten. Dazu gehören Wohnungsbrände, die mutmaßlich in Minutenschnelle Leib und Leben anderer Hausbewohner oder Nachbarn bedrohen können. Sprudelndes und literweise fließendes Wasser stellt auch einen Notfall dar und akute Explosionsgefahr durch Austritt von Gas in der Wohnung. Wenn sich allerdings in Ihrer Wohnung ein mutmaßliches Leitungsleck oder ein Wasserrohrbruch befindet, ist im Normalfall kein Leib und Leben dadurch bedroht. Als Vermieter würden Sie beim Rechtsstreit Schwierigkeiten bekommen, wenn Sie in diesem Fall die Wohnung ihres Mieters ohne dessen Einverständnis betreten würden. Bei dieser bedrohlichen Situation sollten Sie Feuerwehr oder Polizei hinzuziehen, um nicht das Risiko eines Hausfriedensbruchs eingehen zu müssen. Ähnlich verhält es sich bei mutmaßlichem Insektenbefall oder dem Verdacht, dass dem Mieter etwas zugestoßen sein könnte. Ein Notfall und damit die rechtmäßige Öffnung der Wohnung, gegebenenfalls mit Gewalt, sind nur in extrem bedrohlichen Situationen statthaft, die keine Zeit mehr für alternative Lösungen lassen. Aber selbst in solchen Extremsituationen sollten Sie als Vermieter so viele Zeugen wie möglich an Ihrem Wohnungseintritt teilhaben lassen. 



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Beste Voraussetzung für den Notfall ist ein entspanntes Mietverhältnis


Vermieter sind Eigentümer und Mieter sind Besitzer der Wohnung. Das Hausrecht übt der Besitzer aus und damit hat der Mieter im Zweifelsfall die stärkere Position, wenn es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommt. Wenn Sie mit Ihrem Mieter vereinbaren, dass Sie im Notfall einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson des Mieters ausgehändigt bekommen, können Sie ruhig schlafen und mit der Vertrauensperson gemeinsam ein angemessenes Vorgehen abstimmen. Zum Thema verweisen wir an dieser Stelle auch gerne an unseren speziellen Artikel über die Aushändigung eines Zweitschlüssels an den Vermieter selbst.


Sollten Sie weitere Fragen oder Zweifel bezüglich des Vorgehens von Vermietern im Notfall haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktierenUnser Team vom RE/MAX Immocenter Ulm steht Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung!  

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