Pflegefall - Was geschieht mit dem Elternhaus

geschrieben am 22.04.2016 von RE/MAX Ulm

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich beim folgenden Artikel um keine Rechtsberatung oder verbindliche Aussage handelt.

Pflegefall – was geschieht mit dem Elternhaus?

Wenn Vater oder Mutter zum Pflegefall werden, ist eine gute Vorsorge ein wichtiges Fundament. Betroffene Angehörige müssen neben ganz eigenen privaten Gefühlen und Emotionen organisatorische Höchstleistungen aufbringen. Insbesondere wenn die finanziellen Mittel für die Pflege knapp sind. Dann kann der Staat Vermögen in Form von Immobilien belangen. Heutzutage ist neben der staatlichen Rentenversicherung eine private Vorsorge ein Muss. Die Lebenserwartung liegt bei den letzten Generationen signifikant hoch und soll der Staat die selbstbewohnte Immobilie nicht einsacken, ist eine Pflegeversicherung unabdingbar.

Ist mein Haus im Pflegefall sicher?

Das Sozialamt prüft genau, ob im Pflegefall nicht auch Privatvermögen in Form von Immobilien herangezogen werden kann: Wenn der Pflegende seine Kosten nicht übernehmen kann, kann es dann etwa der Ehepartner? Zwar übernimmt die gesetzliche Versicherung einen Teil der Pflegekosten, längst aber nicht alles. Unterm Strich zahlt der zu Pflegende drauf. Oder aber der Immobilienbesitz wird veräußert um die Kosten zu decken. Damit Pflegekosten nicht aus vorhandenem Vermögen abgestottert werden müssen, sollte man, egal ob Immobilienbesitzer oder nicht, eine private Pflegerente abgeschlossen haben. Denn so kann auch ein langer und intensiver Pflegefall finanziert werden - ohne im Nachhinein eine böse Überraschung zu erleben.

Wenn Kinder für das Haus der Eltern haften

Kommen ein oder beide Elternteile ins Pflegeheim, weil zu Hause die eigene Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, entstehen je nach Pflegestufe immense Kosten. Bei Pflegestufe 3 sind das z.B. rund 2.000 Euro im Monat. Und damit 24.000 Euro pro Jahr. Doch die meisten Pflegebedürftigen verbleiben für mindestens 4 Jahre im Heim. Damit kostet eine Pflege dann 96.000 Euro oder mehr. Darin enthalten sind aber nur die Aufwendungen für Pflege.
Je nach Land und Region kommen auch noch Wohnkosten hinzu. Die stationären Pflege- und Heimunterbringungskosten schnellen so leicht mit bis zu 4.000 Euro im Monat in die Höhe. Renteneinkünfte und Zuschüsse reichen in den meisten Fällen nicht aus und als letzte Instanz bleibt nur der Gang zum Sozialamt. Aber eben nur, sofern kein verwertbares Vermögen vorhanden ist. Verwertbares Vermögen sind neben Immobilienbesitz allgemein der Grundbesitz - ob bebaut oder unbebaut - Geld, Wertguthaben, Papiere oder Bausparverträge. Auch Forderungen und Rechte an Schulden (fällige Dienstleistungen) werden mit einem Mal zu verwertbarem Vermögen.
Anfang der 2000er Jahre trat das „Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ in Kraft. Dieses Grundsicherungsgesetz (GSiG) hat zum Ziel, älteren Menschen bei der Beantragung staatlicher Hilfen die Angst vor einem Unterhaltsrückgriff auf ihre Kinder zu nehmen. Je nach Landesregion sind hier Leistungen für Pflegebedürftige möglich. Durch einen Zuschuss bspw. zum Pflegewohngeld können so Belastungen gesenkt werden.
Doch bevor Kinder für Pflegekosten und Unterhalt in Anspruch genommen werden können, wird die Leistungsfähigkeit des Kindes geprüft. Je nach Einkommen und wirtschaftlichem Vermögen zahlt also bei Geschwistern der finanziell Stärkere. Hat ein Kind nach Abzug von Heim- und Pflegekosten weniger als 1.500€ zu Verfügung, setzt der Anspruch aus. Bei Familien gelten die Grenze von 2.700 € im Monat. Doch hat ein Kind z.B. als Hausmann oder Hausfrau wenig (Teilzeit) oder gar keinen Verdienst, kann sogar Ehefrau- oder Mann belastet werden. Dieses Einkommen wird mitberücksichtigt. Haben sich die Eltern einst finanziell um die Kinder gekümmert, kümmern sich die Kinder nun um die Eltern: Die Haftung geht in jedem Fall auf die Kinder über. Doch das Positive daran: Werden Sie selbst kein Pflegefall, erhalten Erben die Absicherungsbeiträge der Pflegerente zurück!



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Schonvermögen - Wann ein Haus im Pflegefall verkauft wird

Doch längst nicht jede Immobilie und jedes Haus ist gefährdet. Nach gängiger Sozialhilfepraxis ist ein Hausgrundstück von der Verwertung ausgenommen, wenn einige der folgenden Faktoren gegeben sind. Unter anderem ist nach § 90 Abs. 2 Ziffer 8 SGB XII die Größe des Hausgrundstücks ausschlaggebend. Bewohnen der Betroffene oder der Ehepartner, unterhaltsberechtigte Kinder oder Angehörige das Haus, oder soll es nach dessen Tod von Erben bewohnt werden, muss angemessen abgewogen werden:
Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser oder Einliegerwohnungen bleiben nur dann geschützt, wenn es sich nur um eine einzelne Wohnung handelt. Bei Familienheimen wird weiter differenziert. Bei Reihenmittelhäusern sind bis zu 250 Quadratmeter geschützt. Bei Doppelhaushälften oder Reihenrandhäuser bis 300 und bei frei stehenden Einfamilienhäusern bis zu 500 Quadratmeter (Stadt). Im ländlichen Bereich werden 800 Quadratmeter Grundstück noch als „angemessen“ empfunden. In begründeten Fällen ist eine Überschreitung der Wohnflächen möglich.
Grundsätzlich gilt: auch Vermögenswerte, die zur Altersvorsorge dienen, gehören zum Schonvermögen. Fünf Prozent des Bruttojahreseinkommens gelten als angemessen. Dabei jährlich verzinst für jedes Berufsjahr.

Die eigene Immobilie im Pflegefall schützen

Eine gute Möglichkeit besteht darin, das Haus im Vorfeld auf die Kinder zu übertragen. Wichtig sind hier insbesondere der Zeitpunkt der Schenkung und das Aufsetzen des Übergabevertrages. Der Träger der Sozialhilfe kann nämlich das Haus zurückfordern. Es sei denn, die Schenkung liegt mehr als 10 Jahre zurück. In vielen Fällen verpflichten die Eltern bei einer Schenkung ihre Kinder gleichzeitig zu Pflegeleistungen, und behalten sich das Wohnrecht vor. Das ist oft der Fall bei der Übergabe von landwirtschaftlichen Betrieben. Gerade hier übernimmt oft ein Kind den Hof oder das Grundstück. Die anderen Geschwister bekommen nichts oder erhalten eine kleine Abfindung. Gerade hier ist ein gut durchdachter Übergabevertrag ratsam. Denn im Endeffekt muss die ganze Familie damit leben können - ohne dass Kinder einseitig belastet werden. Gerne empfehlen wir Ihnen einen Experten. In vielen Fällen lassen sich Pflegefälle vorhersagen, doch warten bis sie eintreten, ist in jedem Fall kontraproduktiv.

Sollten Sie weitere Fragen oder Zweifel haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Unser Team des RE/MAX Immo-Center, Ihrem Immobilienmakler in Ulm, steht Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung!

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